Böcke

Die Böcke stellen den ersten Teil der Triftanlage dar. Sie wurden im oberen Bereich schräg zum Bachbett in der Frutz verankert und dienten als Abweisrechen, um das vom Wasser mitgeführte Triftholz in den Triftkanal umzulenken. Die Böcke waren so angelegt, dass die Flözer darauf gehen konnten, um dem einen oder anderen widerspenstigen Baumstamm noch den rechten Weg zu weisen. Der Weg zu Fuß über die Böcke war während des Flözens sehr gefährlich. Die Wucht und die Masse des ankommenden Holzes trieb den Flözern wohl die eine oder andere Schweißperle auf die Stirn.

Obere Läden

Am unteren Ende der Böcke, also direkt am Beginn des Flözkanals, standen die Oberen Läden. Um dem starken Druck bei Hochwasser standzuhalten, wurden sie beidseitig in den Fels eingefügt. Auch die ersten 15 Meter des Triftkanals waren aus dem Felsen herausgesprengt worden. Die Oberen Läden bestanden aus zwei Hütten, dem „Eichenhaus“ und den eigentlichen Läden. Sie standen auf schweren eichenen Säulen und überdeckten den Triftkanal.

Im oberen Gebäude, dem Eichenhaus, waren drei Eichenbalken in einem Abstand von ca. 50 Zentimeter angebracht, die einen Querschnitt von etwa 50 x 50 Zentimeter aufwiesen. Sie konnten mit Hilfe von zwei Zahnstangen in den Triftkanal abgelassen werden, allerdings nur, wenn sechs starke Männer zur Verfügung standen. Die Aufgabe der Eichenbalken war es, den Wasserzufluss zum Kanal einzudämmen. Bei Hochwasser wurden sie ganz heruntergelassen und schützten damit die Triftanlage vor dem Eindringen von grobem Wildholz.

Wenige Meter unter dem Eichenhaus stand eine weitere, geräumige Hütte, die zwei Wasserläden aufwies. Mit Hilfe des Ladens auf der rechten Seite konnte Wasser aus dem Triftkanal über einen fünf Meter hohen Wasserfall in die Frutz zurückgeleitet werden. Der Laden in Fließrichtung hatte die Aufgabe, den Triftkanal abzusperren und somit den Ländplatz am Rechen wasserfrei zu machen, damit das angelandete Holz abtransportiert werden konnte.

Beide Gebäude der Oberen Läden wurden 1984 abgebrochen. Deren Aufgabe übernahm eine massive Betonwand mit einem kleinen Einlass für jene Menge an Wasser, die bei Bedarf am Fabrikskraftwerk vorbei in den Mühlbach umgeleitet werden soll.

Untere Läden

Die Unteren Läden sind im Gegensatz zu den Oberen Läden noch erhalten. Wie viel Technik in diesen eher unscheinbaren Bauwerken steckt, ist hier gut zu erkennen, ermöglichen die Unteren Läden doch, das Wasser in drei Richtungen zu leiten und zu regulieren.

Der Laden auf der rechten Seite bot bei zu hohem Wasserstand die Möglichkeit, überschüssiges Wasser auf kurzem Wege in die Frutz zurückzuleiten. In Flussrichtung kann noch heute eine Klappe hochgezogen werden, um eine bestimmte Menge Wasser auf der linken Seite unter dem Fabrikgebäude hindurch in den Mühlbach umzuleiten. Dies ist bei Reparaturarbeiten am Kraftwerk in der Fabrik notwendig und gewährleistet die Wasserführung für diese Energieader.

Die Eichenbalken der Unteren Läden wurden zu Lebzeiten Mozarts gefällt, sie stammen aus den 1770er Jahren. 1880 wurden sie saniert und erweitert. Die Technik für die Wasserumleitungen im Bereich der Unteren Läden hat sich im Laufe der Zeit zwar verändert, die Spuren der Vorgänger sind aber noch erhalten. So wurden ursprünglich die Barrieren durch Holzspindeln emporgezogen, dazu kann man heute noch in den Balken das Gewinde ertasten. Funktioniert hat das Ganze wie eine Weinpresse. Die Bohlen wurden durch Drehen nach oben gehoben oder nach unten abgesenkt.

Triftkanal

Der beidseitig gemauerte Triftkanal diente dazu, das Triftholz von den Oberen Läden in geregelten Bahnen Richtung Auffangbecken zu führen. Er ist 220 Meter lang und existiert in seiner heutigen Form seit 1828. Dass der Triftkanal nach wie vor in so einem guten Zustand ist, verdankt er vor allem der Tatsache, dass der Mühlbach für Rankweil schon seit jeher von großer Bedeutung war und daher permanent gewartet wurde, um seine Funktionstüchtigkeit zu garantieren. Ohne Triftkanal wäre diese im Falle einer Stilllegung der Turbinen in der „Fabrik“ nicht gewährleistet.

Kies- / Sandsämmler

Kies und Sand sind vor allem in der Baubranche vielseitig verwendbar. Das wußten auch die Rankler schon früh. Deshalb wurde nicht nur Holz gewonnen, sondern auch die von der Frutz gratis gelieferten Unmengen an Sand, Kies und Geröll. Mitten in der langen Rinne des Triftkanals auf dem Weg zu den Unteren Läden wurden das mitgeschwemmte Kies und der Sand ausgeleitet. Sie fielen durch Siebe und Gitter aus Holz oder Metall, die am Boden des Kanals eingebaut waren und bis heute erhalten sind bzw. restauriert wurden, und wurden durch zwei kleinere Läden in die seitlichen Sämmler geschwemmt. Von dort konnte der Bausand für Mörtel und die gesiebten Steine für Kies oder Beton mit Fuhrwerken abgeholt werden. Die großen Steine wurden über eine eigene Rollbahn zu einer Schotterbrechanlage geführt. Ein Fuhrmann war das ganze Jahr über mit der Verteilung des Baumaterials beschäftigt.

Rechen

Rechen heißt das auch als Brücke genutzte Bauwerk am Ende der Triftanlage, weil einerseits das Wasser durchfließen konnte, dem angeflözten Holz aber gleichzeitig der Weg versperrt wurde.Der wieder Instand gesetzte Rechen am Muntliger Steg war früher deutlich breiter. Mit einer Länge von 80 Metern und den massiven Pfeilern in Flussrichtung auf denen mächtige Stämme befestigt waren, war diese Rechenanlage ein imposantes Bauwerk. Sie hielt fast jedem extremen Hochwasser stand.

Der vorgelagerte Ländplatz, an dem das Triftholz seine Endstation erreichte, war mit einem Fassungsvermögen von bis zu 3200 Raummeter Holz ausgelegt. Ein Raummeter entspricht einem Holzstapel von einem Kubikmeter. Den Ländplatz erreichte das Triftholz über den Lädegumpen, eine Art Wasser- oder eher Holzfall direkt nach den Unteren Läden, der mit dicken Eichen am Boden belegt war. Er hatte die Funktion eines Tosbeckens, sollte also die durch den Kanal geschwemmten Holzstämme abbremsen, damit sie vom Wasser nicht mit zu großer Geschwindigkeit Richtung Rechen transportiert wurden.

Holzplatz

Das zum Ländplatz geschwemmte Holz stapelte sich dort oft meterhoch übereinander und übte massiven Druck auf den Rechen aus. Hatte sich das Wasser verabschiedet und war der Triftkanal mit Hilfe der Läden trockengelegt, konnte die „Holzbeute“ verteilt werden. Anhand von Markierungen, Schwarten- und Schlagmäler genannt, konnte jeder Stamm seinem Besitzer eindeutig zugeordnet werden.

Die Schwartenmäler wurden mit der Axtschneide in die Schwarte (Mantel des Holzes unterhalb der Rinde) geschlagen. Wertvolle Stämme wurden auf beiden Seiten nahe der Stirnseite mit Schwartenmälern versehen, um auf Nummer sicher zu gehen. Weniger wertvolle Stämme bekamen nur auf einer Seite ein Schwartenmal. Zusätzlich zu den Schwartenmälern wurden auf den Stirnseiten der Stämme noch Schlagmäler angebracht. Diese bestanden aus den Initialen des Besitzers oder einer Nummer. Stämme hatten also bis zu vier Eigentumszeichen und fanden so nach dem wilden Ritt durch die Frutz meist zu ihren Besitzern.

Jenes Holz, das nicht markiert war, wurde als Wildholz bezeichnet und fiel in den Besitz der Gemeinde. Es wurde am Holzplatz versteigert und brachte der Gemeinde so zusätzliche Einnahmen.